Bund für Umwelt und Naturschutz, Bereich Nord - und Osthessen
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BUND Hessen
Naturschutz und Landschaftspflege durch extensive Beweidung

von Reiner Cornelius


Teil IV Zurück zur Natur
- Natur- und Landschaftsschutz über die Ganzjahresweide

Frei lebende Rinder leben im Sommer im Überfluss. Im Winter wird die Nahrung knapp, eine Zyklus auf den die Nachfahren der Auerochsen, vor allem die robuste Rinderassen eingestellt sind. Im Winter leben die Tiere vom "stehenden Heu", das ist das Gras, was sie in der Zeit des Überflusses nicht abgeweidet haben. Hält man Rinder auf diese Weise, so muss man darauf achten, dass die Futterverfügbarkeit auf den winterlichen Nahrungsengpass eingestellt ist Dies wird am einfachsten dadurch erreicht, dass die Fläche, die den Tieren zur Verfügung steht sehr groß ist bzw. die Besatzdichte sehr gering ist. (Fotos von Heckrinderprojekten in Berlin und Niederaula).

1. Ganzjahresweide auf großer Fläche und in naturnahe Besatzdichten

In niederländischen Großschutzgebieten leben Rinder wie Wildtiere (Hirsche oder Rehe). Im Nationalpark Veluwe Zoom bspw. stehen ca. 40 Schottischen Hochlandrindern 5000 ha Wald und Heideland zur Verfügung. Besatzdichte ca. 0,008 Tiere pro ha.
Hochland-Rinder beim Baden im Veluwe/Holland
 

2. Ganzjahresweideprojekte auf kleinerer Fläche in mittleren Besatzdichten

In Deutschland hat sich die freie Rinderhaltung in Großschutzgebieten noch nicht durchgesetzt. Es existieren jedoch mehre Projekte in mittlerer Größe (15-200 ha), davon 4 in Hessen. Die Besatzdichten liegen dort in Bereichen von 0,3-0,5 Tieren pro ha. Das ist deutlich mehr, als bei der "Wild-Rinderhaltung". Die Dichte ist aber noch so gering, dass während des Nahrungsengpasses in den Wintermonaten ausreichend Futter zur Verfügung steht. Im Sommer besteht ein Nahrungsüberschuss. Die Tiere selektieren und die Vegetation strukturiert sich. Es gibt Bereiche die sind stark abgeweidet und Bereiche die schwach oder gar nicht abgegrast wurden. So entsteht Vielfalt.

Zum Vergleich: die konventionelle Haltung arbeitet mit Besatzdichten von deutlich >1,4 Tiere pro ha


3. Rinderassen, die bei Ganzjahresweide zum Einsatz kommen - "Aucherochsen" oder Heckrinder


Die Gebrüder Heck -Zoodirektoren in Berlin und München- haben in den dreißiger Jahren des 20. Jh. ein Rind gezüchtet, das vom Aussehen dem Auerochsen entspricht. Dazu kreuzten sie folgende Rassen:
- Spanische Kampfstier
- Camargue Rind
- Korsisches Rind
- Chianina (toskanisches Rind)
- Ungarisches Steppenrind
- Schottisches Hochlandrind
- Angler
- Allgäuer
- Schwarzbunte
- Schwedisches Fjellrind
Das Ergebnis ähnelt dem ausgestorbenen Ur recht gut. Nur ein wenig zu klein sind die Heckrinder oder "Auerochsen" geraten. Dafür sind es recht robuste Tiere, die sich für die Landschaftspflege eignen. Da ein großer Teil ihrer Vorfahren mehr Richtung auf Milchleistung und Arbeitseignung gezüchtet war als auf Fleischproduktion, hinken die Heckrinder im Fleischansatz echten Fleischrindern hinter her. Sie werden daher bisher nahezu ausschließlich als Landschaftspfleger eingesetzt. Wegen ihres prachtvollen und wildtierartigen Äußeren stellen sie mittlerweile die Top-Rasse bei Landschaftspflege-Projekten mit hoher Öffentlichkeitswirksamkeit dar. Daneben stellen Galloways und Schottische Hochlandrinder klassische Landschaftspflegrassen dar.



Galloway

Stammt aus dem Südwesten Schottlands. Genetisch hornlos. Widerstandsfähig und anspruchslos. Klassisches Landschaftspflegerind. Problemlose Ganzjahreshaltung. Vertragen raues Klima.

Schottisches Hochlandrind

Stammt aus Schottland. Geringe Futteransprüche und Robustheit erlauben ganzjährige Freilandhaltung. Hartes, reifes Gras wird bevorzugt. Hohe Fruchtbarkeit. Problemlose Abkalbung.

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